An Article About Easter in Deutsch

 

(The following is an article that recently appeared in the ‘Bible Knowledge’ (Bibel Wissen) Magazine in Germany.  It is a revision of an article I previously did for BAR).

 

DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE VON DER AUFERSTEHUNG

Die biblischen Berichte von Jesus’ Auferweckung sind für antike Menschen haarsträubend. Gerade die Unstimmigkeiten sind ein Hinweis auf ihre Glaubwürdigkeit.

Als über- zeugende Geschichten, um Menschen für den Glauben zu gewinnen, eignen sich die Berichte der ersten Christen wirklich nicht.

Heute

30 n. Chr.

Geburt Jesu

1.500 v. Chr.

Es besteht kein Zweifel daran, dass der christliche Glaube von Anfang an eine missionarische Religion war. In Mat- thäus 28 gibt der auferstandene Jesus seinen Nachfolgern den Auftrag, alle Nationen zu Jüngern zu machen.

Wenn man den Rahmen der neutestamentlichen Texte kennt – die Welt und die Kulturkreise, für die und in denen die Geschichten geschrieben wurden –, stellt man schnell fest, dass manchmal gerade die ungewöhnlichen und unstimmigen Aspekte eines Berichtes seine geschichtliche Echtheit beweisen.

Die Verkündigung des Evangeliums in der jüdi- schen und griechisch-römischen Welt erforderte eine differenzierte Darlegung, die die Einmaligkeit dieser Botschaft im Vergleich zu anderen hervor- heben und rechtfertigen konnte. Das war beson- ders wichtig bei einem Sachverhalt wie diesem: Ein jüdischer Handwerker wurde von einem römischen Statthalter namens Pontius Pilatus gekreuzigt. Er stand von den Toten auf, erschien mehreren Per- sonen und gründete eine neue Gemeinschaft von Nachfolgern, nachdem seine früheren Anhänger fast alle Hoffnung verloren hatten. Und das im da- maligen Orient – einer Kultur, in der sich alles um Ehre und Schande drehte und heute noch dreht. Der Tod am Kreuz war zu dieser Zeit die schänd- lichste Art zu sterben und absolut kein Märtyrer- tod, der Ruhm einbrachte. Damals glaubte man, dass die Art des Todes den Charakter der betroffe- nen Person am besten widerspiegele. Demnach war Jesus ein Schurke, ein Landesverräter – einer, der eine Strafe verdient hatte, die sonst nur aufstän- dischen Sklaven zugemutet wurde. Für die Römer war es die extremste Strafe, und kein römischer Bürger durfte so getötet werden.

Abscheulicher Unsinn in römischen Augen

Es hätte keinen Sinn ergeben, eine Geschichte von einem gekreuzigten und auferstandenen

Mann zu erfinden, der der Retter der Welt sein soll. Es sein denn, man ist überzeugt davon, dass es den geschichtlichen Tatsachen entspricht. Denn die spontane Reaktion auf diese Botschaft wäre so, wie es der früheste Verfasser neutestamentlicher Briefe, Paulus, beschrieben hat: „Für Juden ist das eine Gotteslästerung, für die anderen barer Unsinn.“ (1. Korinther 1,23). Ein berühmtes Graffito in den heidnischen Katakomben von Rom zeigt einen Esel am Kreuz, vor dem ein Römer namens Alexa- menos niederkniet und unter dem die spöttischen Worte zu lesen sind: „Alexamenos verehrt seinen Gott.“ Von daher kann man sich vorstellen, wie diese Botschaft, besonders am Anfang, angekom- men sein muss bei römischen Bürgern, die man für das Christentum gewinnen wollte (siehe auch Kas- ten rechts).

Auch in den Geschichten über Tod und Aufer- stehung selbst gibt es einige scheinbare Unge- reimtheiten. Wenn man eine Weltreligion in eine vom Patriarchat bestimmte Gesellschaft einfüh- ren will, erzählt man normalerweise keine Ge- schichten von Jüngern, die ihren Meister ent- täuscht aufgeben (außer dem Lieblingsjünger) und von Frauen, die als Hauptzeugen der Aufer- stehung auftreten. Frauen verharrten am längs- ten am Kreuz, Frauen waren die ersten am leeren Grab, Frauen hörten als erste die Botschaft des Engels: „Er ist auferstanden.“ Es waren die Frauen, die dem Auferstandenen als erste begeg- neten und die den Jüngern davon berichteten. Die Männer hatten sich aus Furcht vor den Juden hinter verschlossenen Türen versteckt. Den Zeu- genaussagen von Frauen stand man im ersten nachchristlichen Jahrhundert meist skeptisch ge- genüber. Und in Lukas 24,11 wird uns ja auch tat- sächlich berichtet, dass die Jünger es für Am- menmärchen hielten, als die Frauen ganz außer Atem angerannt kamen und erzählten, dass das Grab leer und Jesus auferstanden sei.

20 |

||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||

Namhafte Augenzeugen: Fehlanzeige

Schauen wir uns die Erzählungen an, die von den Begegnungen mit dem Auferstandenen be- richten. Am ausführlichsten sind die Berichte über Maria Magdalena und die bisher nie in Er- scheinung getretenen Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Nichts über irgendeinen aus dem Kreis der zwölf Apostel. Dass Jesus Petrus erschien, wird so nebenbei erwähnt (Lukas 24,34), findet sich sonst aber nirgends bei Matthäus, Markus oder Lukas, den ältesten Evangelien. In keinem der vier Evangelien steht etwas über eine Begeg- nung zwischen Jakobus, dem Bruder Jesu, und dem Auferstandenen, obwohl Paulus sie aus- drücklich erwähnt. Paulus war Jakobus mehrmals in Jerusalem begegnet (1. Korinther 15,7).

Als überzeugende Geschichten, um Menschen des ersten Jahrhunderts für den Glauben zu ge- winnen, eignen sich die Berichte der ersten Chris- ten wirklich nicht.

Das historische X

Nach der Kreuzigung Jesu hatten die Jünger alle Hoffnung verloren. Das zeigt eine entspre- chende Bemerkung in Lukas 24,21 beim Verlas- sen Jerusalems: „Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle.“ Wie konnte es geschehen, dass eine solche Gruppe von niedergeschlagenen, traurigen Menschen plötzlich aufsteht und so be- geistert ist, dass sie die gute Nachricht von Jesus von Jerusalem nach Rom und darüber hinaus trägt? Martin Dibelius, der berühmte deutsche Begründer der Formkritik des Neuen Testaments, gab einmal zu, dass man die Ausbreitung des Christentums nach dem schändlichen Tod Jesu an einem römischen Kreuzespfahl mit einem gro- ßen historischen „X“ versehen muss. Er hatte Recht. Was machte aus den verängstigten Jün- gern Märtyrer, aus den Leugnern Bekenner? Was gab den Frauen den Mut, sich dem männlichen Spott auszusetzen, als sie ihnen aufgeregt er- zählten: „Er ist auferstanden und uns erschie- nen“? Der weiße Fleck mit dem X, der zwischen dem gekreuzigten Jesus und der Gruppe der Weltevangelisten lag, war für die Nachfolger Jesu ihre Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Sie glaubten daran, dass Gottes Ja zum Leben bei Jesus lauter war als das Nein des Todes. ///

Ben Witherington III ist Profes- sor für Neues Testament in Wilmore, Kentucky und lehrt auch an der schottischen St. Andrews-Universität. – Nach- druck aus Biblical Archaeology Review 37/2, 2011.

HINTERGRUND

„Die bloße Bezeichnung ‚Kreuz‘ sei nicht nur von Leib und Leben der römi- schen Bürger verbannt, sondern auch von ihren Gedanken, Augen und Ohren. Denn alle diese Dinge sind eines römischen Bürgers und freien Mannes unwürdig.“

Marcus Tullius Cicero, 106-43 v. Chr.
(aus: Pro Rabirio, Kapitel 16)

Graffito aus dem antiken Rom: Ein Gekreuzigter mit Eselskopf

| 21

  • Joe Cox

    Thanks. Can I get the Rosetta Stone link?

  • Robert Lippner

    Dear Mr Witherington,

    I enjoyed your article very much. The magazine is actually called “Faszination Bibel” though. It can be found here: http://www.faszination-bibel.net/ Have a great day.


CLOSE | X

HIDE | X